“Könnten Sie mal kurz raus kommen?” – mit diesem Satz begann auf dem Balkon des EG ein Schauspiel besonderer Güte, welches man, so finde ich jedenfalls, dem Netz nicht vorenthalten darf. Aber machen wir uns zunächst mit den Parteien vertraut. Bereits auf dem Balkon befindlich, nennen wir sie die Bewohner, die aufgebrachten Bewohnern des EG, ein Vertreter des Heimrats und ich. Dieser Aufforderung folgend und somit den Balkon betretend, ein Handlanger unseres Vermieters (“die Chefin”) und ein Handlanger der mit der Zensur betrauten Firma.
Es folgt eine dann doch garnicht so kurze Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Zensur und einzelner Filter, deren Absurdität ich ja bereits geschildert habe. Den Verlauf des Gesprächs erspare ich euch, allzumal die beiden Handlanger, wohl auch wegen mangelnder Entscheidungsgewalt, nur sehr begrenzt Kommunikationsbereit waren.
Das Ergebnis sieht nun wie folgt aus: Die Filter bzgl. Alkohol, Tabak, extremistischer Gruppierungen und sexueller Aufklärung sind aufgehoben. Die Filter bzgl. Pornografie, Glücksspiel und illegaler Drogen (Wer bestellt Drogen im Netz?) bleiben. Der Hinweis, dass auch Kontaktportale für Homosexuelle gesperrt sind und dass das Diskriminierung sei, wurde ignoriert, genauso wie mein Hinweis. dass manche PCs mit dem neuen Netz Probleme machen. Auf einen konkreten Fall von Problemen bei der Recherche für die Uni erhielten wir die Antwort: “Das muss die Chefin entscheiden, aber Sie können ja in ein Internetcafé gehen und dort recherchieren.” Klar, dafür habe ich einen Internetanschluss um im Café meine Arbeit machen zu müssen.
Mal sehen, was “die Chefin” sagen wird…
